Talk to me
Robin Bischoff, Stuttgart 2005
Installation für Nam June Paik
Wenn man nach Einbruch der Dunkelheit von weitem auf die Wagenhalle zugeht,
sieht man ein bläuliches Blinken und Blitzen,
rückt man näher sieht man das typische Fernsehgeflacker aufeinander gestapelter Fernseher
von der Rückseite, kommt man der Installation näher ahnt man schon,
dass die Fernseher nicht schwer und sperrig auf dem Boden stehen,
sondern mit Leichtigkeit schweben. Das es keine kompletten Fernseher sind,
erkennt man wenn man direkt davor steht, bzw. spätestens wenn man um Sie herumgeht,
dann steht man wieder hinter den Fernsehern. Das Fernsehbild,
der eigentliche Zweck oder die wesentliche Funktion fehlt hier.
Das Bild erscheint gefangen. Weder Information, noch Unterhaltung.
"Talk to me" ist Nam June Paik, dem Vater der Videokunst gewidmet,
der uns ein reiches und die Kunstgeschichte prägendes Lebenswerk hinterlassen hat,
den Kunstbegriff erweitert hat, und dessen Kinder wir sind.
Das Werk besteht aus siebzig Rückteilen, jeweils zwei sind aneinander gefügt
und beinhalten eine blaue Glühbirne und einen Starter.
Im Raster fünf zu sieben sind die Fernsehgehäuse an Seilen aufgehängt
und füllen die Größe eines Rolltores der Wagenhalle aus.
Für die Ausstellung "Monumenta 05" hängt die Installation gezielt knapp hinter einem der Tore,
genau über der Schwelle und lockt so den Besucher vom Außengelände in das Innere der Halle,
die weitere Kunstwerke verbirgt.
So dient das Werk als Bindeglied der räumlichen Situation im Inneren Nordbahnhof,
geprägt vom kargen großflächigen Freigelände und der ehemaligen Wagenwerkstätte,
die jetzt für Kunst genutzt wird.
Elektrotechnische Beratung: Bernhard Zoll
› www.kunstverein-wagenhalle.de
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Der Geist von Nam June Paik
eine Rauminstallation von Robin Bischoff
Material:
120 Fernsehgehäuse, 480 Schrauben, 1 Bildröhre, 4 Drahtseile, Videobeamer,Verstärker, Spiegel.
Ausgangspunkt:
Diplomarbeit 2003 an der Universität Stuttgart am Institut für Grundlagen moderner Architektur
bei Professor Gerd de Bruyn.
Der Titel "Der Geist von Nam June Paik" ist auch eine Hommage an den Vater der Videokunst.
Nam June Paiks Werke beleuchten kritisch und zugleich unterhaltsam die Institution Fernsehen
und das Thema Kommunikation.
Die Arbeit steht bewußt im Kontrast zu innovativen Medienkunstprojekten,
die sich mit Interaktion, virtuell erlebbaren Räumen, veränderter Wahrnehmung
und Parallelwelten auseinandersetzen.
Zudem steht die Arbeit klar im Gegensatz zum permanent ansteigenden Gebrauch moderner Medien
(Radio, Fernseher, Telekommunikation und Internet, etc.),
die feste Bestandteile unseres Alltagslebens geworden sind.
Installation:
Das Herzstück des Fernsehers, die Bildröhre fehlt, es bleibt das Fernsehgehäuse,
keine Kommunikations- und Bilderflut, ob Information oder Unterhaltung.
In archaischer Bauweise gestapelt, im Grundriß das Auge und das Ohr symbolisch andeutend,
beherbergt der Raum eine abgehängte Bildröhre.
Ein Videobeamer projiziert über einen Spiegel reflektiert ein abgefilmtes Feuer auf die Bildröhre.
Es entsteht ein mystischer Schein.
Die Besucher gruppieren sich um das virtuelle Feuer.
Sie hören das Knistern des Feuers aus den noch vorhandenen Lautsprechern der Gehäuse.
Sie unterhalten sich. Sie wärmen sich psychologisch am Feuer,
reiben ihre Hände zwischen dem neuen und dem alten Medium.
Ihr Blick bleibt für Sekunden auf das Feuer fixiert.
Innere Bilder entstehen vor dem geistigen Auge.
Gedanken, Träume, Erinnerungen machen sich breit, es entsteht Raum für Ideen und Vorstellungen.
Wieder im Bewußtsein zurück, befinden sich die Besucher in einem absurden Raum, der Fragen aufwirft.
Intellektuele Reflektion und direktes Erleben:
Die Installation ist vielschichtig gedacht, und überlässt Assoziationen und
Interpretationen dem Besucher. Es gibt den rein architektonischen baukonstruktiven Teil,
klassisch gemauert bis sich der Raum oben schließt.
Natürlich die Hommage, der Geist von Nam June Paik wird im gewissen Sinne heraufbeschwört,
besonders auf dem Freigelände durch das echte Feuer.
Die philosophisch distanzierte Reflexion unseres Medienzeitalter,
hier in erster Linie auf den westlichen Altar, den Fernseher bezogen,
in den wir passiv hineinmeditieren und der ein weltumspannendes Netz bildet.
Das erzeugen eines Gesprächs mit anderen Besucher am virtuellen Feuer.
Der Hinweis auf das Ende unserer geliebte Kiste, die bald von Videobeamer,
Flachbildschirmen oder multifunktionalen Wänden abgelöst wird,
und hier in der direkten Überlagerung von Videobild und Bildschirm angedeutet wird.
Die Atmosphäre eines sakralen Ortes, durch den mystischen Schein,
den morbiden Charakter der Fernsehgehäuse und die ornamentale Grafik
der Lüftungschlitze in den Rückseiten ausgelöst.
Anmerkung:
Die Installation wurde in verschiedenen Versionen bisher 5 mal aufgebaut.
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Robin Bischoff
Innerer Nordbahnhof 3
70191 Stuttgart
mobil (0177) 21 64 440
festnetz (0711) 28 43 185
› info@robinbischoff.de
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